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Wetterblog von Meeno Schrader

Lesen Sie hier die tägliche Kommentierung des Rennverlaufes aus wettertaktischer Sicht inklusive einer Vorhersage der Wind- und Strömungsverhältnisse.

Samstag, 26. Mai 2018:

Sie sind die Letzten auf der Piste und Ihnen gebührt alle Hochachtung. Der Traum soll offenbar weiter gelebt werden, auch wenn es bestimmt Momente gab, in denen Segeln oder Treiben einem Albtraum glichen. Meile um Meile kämpfen sie sich nach vorne - Chapeau! Gute Segelbedingungen sehen anders aus. Regattasegeln kann so hart sein. Es sieht auch weiterhin grundsätzlich nicht gerade rosig aus, auch wenn es so aussieht als wenn zumindest etwas Wind immer da ist. Ob es reicht? Der Wind bleibt unbeständig und die Strömung weiterhin gegenan. Es wäre ihnen zu wünschen, dass die Strömung mal nicht nach Norden setzt. Zumindest variieren die Geschwindigkeiten. So wie heute Nacht, wenn die Strömung mal auf 0.8 - 0.5 kn nachlässt. Das wäre die Gelegenheit, im Großen Belt die Seite zu wechseln, aus der Gegenströmung raus zufahren, sich unter die Küste Langelands zu verdrücken, bevor die Strömung ab Nordspitze Langeland wieder zulegt, kanalisiert von Langeland und Falster auf 2.5 - 3 kn erneut entfacht, natürlich in Richtung N, immer von vorne.

Der Wind macht es mal wieder nicht leicht. Aus einem vielversprechenden E-lichen Wind wird eine N-liche Brise, die erst im Laufe der Nacht wieder etwas zunimmt. Zunehmen ist relativ: 8-10 kn sind möglich - aber eben sehr achterlich. Chancen zum Schnellsegeln sind das nicht.

Für die zweite Nachthälfte sieht es da schon besser aus: aus 360 bis 030° frischt der Wind auf und bringt sogar 11, Böen 15 kn auf die Anzeige. Noch mehr freuen dürfte sich die (T)raum , wenn der Wind in der zweiten Nachthälfte und gegen Morgen immer weiter nach rechts dreht auf Richtung 70°, 7 - 9 kn ist nicht viel, aber es lässt sich damit etwas anfangen.

Mit etwas Glück (und das wünscht man Ihnen bei soviel Durchhaltevermögen) steht der Wind durch. 60° morgen tagsüber sind zwar wieder mal sehr weit achterlich, 9-11 kn müssen reichen, mehr sitzt nicht drin. Ein Schlussspurt wäre gut, denn auch dieser NE-Wind wird sich im Tagesverlauf als unstetig herausstellen, die Neigung der Abnahme auf 7 kn sitzt ihnen im Nacken. Drücken wir die Daumen, dass es reicht, derzeitige ETA SO 27.05.18 irgendwann am Nachmittag. 

Freitag, 25. Mai 2018:

Und plötzlich geht alles deutlich schneller. Der zwischenzeitig auffrischende Ostwind läßt die Bootsgeschwindigkeiten hochfahren. Das Motto: je weiter im Süden des Regattakurses desto mehr Wind steht. In der Kieler Bucht weht ein beständiger Ostwind von 13-17 kn, Böen gestern noch von 24 kn, zu heute morgen hat der Wind in der Böigkeit etwas nachgelassen, sie liegt bei 20 kn. Mit jeder Seemeile nach Norden allerdings ist es um diesen Ostwind schlechter gestellt. Im Großen Belt sind es zwar heute morgen nochmals 13 kn Böen 20 kn gewesen, aber im Laufe des Tages läßt dieser Wind nach und geht auf 10-12 kn (Bft3-4) zurück, Tendenz wieder weniger. Trotz dieser traumhaften Segelbedingungen machen die Schiffe nicht die optimale Geschwindigkeit über Grund. Ursache ist die nordsetzende Strömung, die gerade im Großen Belt bis zu 3 kn ausmacht. Aus diesem Grund versuchen sich die Yachten unter die Langelandküste zu verdrücken, bestmöglich aus der Gegenströmung heraus.  Die hat auch noch eine tideähnliche Schwankung: das Maximum heute morgen wird von einer deutlich geringen Gegenströmung von nur noch 1 bis 1,5 kn über Mittag und am frühen Nachmittag abgelöst. Zum Abend und durch den Abend ist die Strömung wieder bei 3 kn im Maximum angelangt.

Schaut man von der  Großen Belt Brücke nach Norden, dann ist da erstmal  lange Zeit keiner weiterer Teilnehmer zu sehen. Einzig die Majo  taucht auf. Sie hat sich zwischendurch über den Ostwind freuen können ( wie die Teilnehmer weiter im Norden für ein paar Stunden auch), doch soll sich der heutige Freitag zunächst nicht als stabil im Windfeld erweisen. Der Wind geht im Laufe des Vormittags zurück und droht unter die 10 kn Grenze zu fallen, gleichzeitig dreht er auf NE. Gute Nachricht zu diesem Dreher erfolgt wieder eine Windzunahme, die die Verfolger der Majo wieder näher herankommen lassen, zeitweilig stehen 10 bis 14 kn in Aussicht, während die Majo mit großen Winddrehern zu kämpfen hat. Bei Gefahr von nur noch 6 kn Wind wäre es geprahlt von Stetigkeit zu sprechen. Wie ein Lämmerschwanz pendelt die Windrichtung zwischen 40° und 90° zeitweise drohen auch 160° hin und her. Es sind also noch reichlich "Schweinereien" längs des Kurses vorhanden, kombiniert mit zwischenzeitig wieder stabileren Verhältnissen und ein Aufleben des Winds auf 10-13 kn aus E bis NE.

So groß kann der Unterschied sein: ein großer Teil der Teilnehmer ist im Ziel oder erreicht das Ziel heute im Laufe des Tages. Davon können die Crews der Andromedia, (T)raum und Gymir nur träumen. Sie sitzen mehr oder weniger bei Läsö fest und treiben zeitweilig in der Flaute. Ihnen dürften die besten Nerven zugestanden werden. Erst am Nachmittag kommt  Wind herein, baut sich von 8 auf 13 kn auf, evtl. kurzzeitig auch mal Böen bis 18 kn aus Richtung N! 5 bis 7 Stunden Wind ist bereits ein Geschenk, danach bricht diese Brise schon wieder ein, um in der zweiten Nachthälfte aus der Gegenrichtung zu kommen: plötzlich weht Südwind und der kommt mit 10 bis 14 kn herein. Auch wenn die Richtung nicht paßt, Hauptsache Wind ist da. Er nimmt gegen morgen langsam ab auf 8-12 kn, im Großen Belt schließlich auf 7 bis 9 kn, Böen bis 12 kn. Dabei dreht der WInd nach links auf E. Erleichterung, man wird sich darüber freuen. Endlich mal auf direktem Kurs in Richtung Ziel! Nicht ganz, die Strömung bleibt der andere Gegenspieler. Hier muss ein Auge drauf gehalten werden, sonst macht man die gewonnenen Meilen schnell zunichte.

Zumindest sieht es zurzeit so aus, daß der Wind zwischen 7 und 12 kn relativ stabil aus NE durchsteht - bis ins Ziel. Zu wünschen ist es ihnen allzu sehr - drücken wir die Daumen!

Donnerstag, 24. Mai 2018:

Es sind zwei Welten, in denen in den vergangenen 24 Stunden gesegelt wurde. Die eine war die Welt der Milan, der es nicht nur mithilfe ihrer Größe und Konstruktionsschnelligkeit gelang, trotz schwachen Windes das Schiff in Fahrt zu halten. Auch hatten sie das Glück, über weite Strecken des Kurses im Wind zu bleiben, die wirklichen Schwachwindphasen waren seltener, wenn auch sie zu kämpfen hatten. Strömung spielte ebenfalls mit rein. Aber irgendwie waren 5, 6, 7 kn immer (wieder) da. Mit Eintritt in den Großen Belt begann für sie günstig der bis dahin NW bis N - Wind auf NE zu drehen. Die Gelegenheit, die Bootsgeschwindigkeit hochzudrehen. Keine Selbstverständlichkeit, da im Großen Belt Wind und Strömung eine Herausforderung waren. Erst in der Kieler Bucht angelangt konnte bei gutem Ostwind zum Endspurt aufgedreht werden. Ob sich der bis dato ersegelte erste Platz nach berechneter Zeit wird halten können, hängt von den Windverhältnissen nun im Norden ab.

Direkter Verfolger, Moana, hat vor allem mit der Strömung zu kämpfen. Die setzt nach Norden, darum der weit östliche Kurs. Der Wind spielt ihr zu, hat bereits auf E gedreht, wenn auch schwach. Das ändert sich im Tagesverlauf. Der bis maximal 120°, später am Tag wieder auf E rückdrehende Wind gewinnt mächtig an Gradienten und nimmt schon zu Mittag auf 12-14 Böen 16 kn zu. Am Nachmittag und in der Nacht werden hieraus satte 15 - 18, Böen bis 25 kn aus Ost. Ein großer Vorteil gegenüber der Milan . Nachteil: sie müssen noch die Gegenströmung im Großen Belt queren. Immerhin stehen da bis zu 3 kn Strömung, das kostet wertvoll erkämpfte Meilen.

Von diesen Windgeschwindigkeiten kann das Hauptfeld zurzeit nur träumen. Von der Küste bei Grena bis rüber nach Seeland ist der Wind dermaßen schwach. Die meisten müssen heute Mittag noch mit 1 bis 4 kn, strichweise vielleicht mal 6 kn auskommen. Die Hoffnung stirbt zuletzt und tatsächlich ist zumindest zwischenzeitig Potential für 4 - 8 kn da, mal aus SE, dann wieder auf E bis N drehend. Die meisten Nerven wird die ab nun  stärker werdende Strömung kosten: sie kommt von vorne und setzt die gesamte Wegstrecke bis zur Südspitze Langelands nordwärts. Strömungsgeschwindigkeiten: eher selten bei 0.5, meist 1 bis 3 kn! So versuchen es die einen ganz dicht unter der Küste, auch in der Hoffnung, dort aus E sich aufbauenden Seewind abzugreifen. Andere nehmen die Seelandseite, um sich dem Hauptströmungsband zu entziehen.

Ein Ende der nervenaufreibenden Rennsegelei ist jedoch in Sicht. Sich über der südlichen und westlichen Ostsee aufbauender Ostwind weitet sich nach Norden aus. Der Nachmittag ist nochmal von widrigen, drehenden und schwachen Winden unter 8 kn bestimmt. Ab heute Abend baut sich auf ENE bis E drehender Wind auf, der mit 10 -12 kn an Stabilität gewinnt. Daraus werden heute Nacht 10 - 13 kn Böen 16 kn, gegen Morgen und am morgigen Freitag bleibt es beim E-Wind mit 15 kn Böen um 20 anfangs vielleicht noch 24 kn. Die Windrichtung zwingt zu direkten Kursen, es gilt nur die Strömung im Großen Belt noch geschickt zu queren. Ansonsten geht es hiernach darum die maximale Bootsgeschwindigkeit herauszuholen, die Trimmer sind gefordert. 

Mittwoch, 23. Mai 2018:

Es kam wie es kommen musste. Wer noch nie Rund Skagen gesegelt ist und sich gefragt hat, woher  die Jammerbucht ihren Namen hat. die vergangene Nacht und der heutige Mittwoch geben die Antwort. Wenig Wind und der auch noch aus der "falschen" Richtung gaben Grund zum Jammern und Klagen. Alle Einfallswinkel des Windes zum Schiff achterlicher als querab lassen den Druck im Segel vermissen, den man sich wünscht, um schnell zu sein. Je achterlicher desto schwieriger ist es Fahrt im Schiff zu halten. Den meisten gelingt es noch mit 3 bis 4 Knoten über Grund  Weg nach Osten gut zu machen. Ein nervenaufreibendes Unterfangen. Zumindest macht die Strömung keine oder kaum Zicken . Sie ist nur sehr schwach und kaum messbar oder setzt verbreitet entlang der Nordseite von Jütland nach NE bis E mit ca. 0,5 kn.  Schiebeströmung reduziert bei raumen Winden zwar den Druck um einen weiteren Anteil, aber das Schiff bewegt sich schon mal in die richtige Richtung. Zumindest bis heute Abend, dann ändert sich die Strömung und setzt in der Bucht schwach entgegen. Ohnehin bietet die Jammerbucht die erste taktische Gelegenheit deutlich vom direkten Kurs abzuweichen, wie es Intermezzo, Elan, Pogo2 und Ellide sich getraut haben. 10 bis 15 sm, mitunter sogar noch mmehr Umweg in Kauf zu nehmen ist mutig, aber begründet. Da ist zum einen die Strömung , aber noch mehr der Wind. Erst mit dem besseren Anstellwinkel, dann mit mehr Druck . sieht es derzeit nach einem guten Schachzug aus.  Der könnte im weiteren Verlauf zu einer weiteren Belohnung führen. Auf den letzten 25 Seemeilen bis Skagen ist der Wind am Vormittag noch schwach und er hat eine sehr westliche Komponente ( sehr achterlich).

Das kostet wertvolle Zeit und macht den Gewinn der  führenden zehn  Boote schnell zunichte. Sie plagen sich in den Vormittagstunden bis zum Wendepunkt Skagen, wo die Windverhältnisse am Vormittag zeitweise elendig sind. Die Höchststrafe bekommt Moana: sie liegt im Öl und dreht seit Stunden Kreise, ein Schicksal, das die Acquis Granus und der Sunbird ebenso droht. Die Nerven liegen blank. Einziger Trost: es will sich langsam neuer Wind aufbauen.  4, 5, 6 kn aus N-licher Richtung. Der ist auch zwingend nötig, soll es über Grund vorangehen. Die Aussichten für die Entwicklung der Strömung sind keineswegs rosig: Am Kap in Skagen baut sich im Laufe des Nachmittags zunehmend eine Gegenströmung  von 1- 1,5 kn auf !  Erst im Laufe der ersten Nachthälfte läßt die Strömung nach, bleibt aber auf N setzend stehen. Dagegen steht heute Nacht schwacher  N-Wind , der langsam auf 5 bis 7 strichweise auch mal 9 kn zunimmt. Damit eröffnet sich eine zweite taktische Variante: Kurs SE mit Läsö an Steuerbord in den etwas besseren Wind im Osten und aus der Gegenströmung herauszufahren. Was die schnellen Schiffe bei Skagen verloren haben wird ihnen S-lich Läsö wieder gutgeschrieben. Hier stellt sich etwas stabilerer Nordwind ein, der  auf 6 - 9 strichweise 10 kn zunimmt. Dabei hat diese Brise die Tendenz auf NE zu drehen, im Laufe der zzweiten Nachthälfte und morgen früh sogar unter Zunahme auf 11-14 kn auf E, wo er am Donnerstag stehen bleibt. Alle, die in der zweiten Nachthälfte und morgen noch N-lich von Läsö stehen haben von dem neuen Ostwind nur wenig. Zumindest dreht der Wind auch hier auf eine E-liche Richtung, bei 5 bis 8 kn ist eine Grundgeschwindigkeit möglich. Böser Gegenspieler der Natur: die Strömung steht entlang des direkten Kurses aus S mit 1 bis 2 kn gegenan und der E-Wind droht morgen Nachmittag auf SE zu drehen. Der Großteil des Feldes sieht sich gezwungen verschiedene taktische Optionen durchzudenken.

Dienstag, 22. Mai 2018:

Hat die Nacht das Feld noch einigermaßen zusammengehalten trennt sich seit heute morgen die Spreu vom Weizen . Nach dem östlichen Wind bisher ist dieser Ostwind seit heute morgen dabei links zu drehen und deutlich abzunehmen. Dabei meint es der Wind nicht mit allen gleichermaßen gerecht: die führenden großen Yachten erleben diesen Linksdreher nur langsam, können daher bei NE-Wind zunächst noch direkten Kurs unter der Küste fahren , während ungefähr die Hälfte des Feldes, die ohnehin hinterher fahren den Linksdreher brutal auf die Nase bekommen. Zudem ist es deutlich weniger Wind , bis auf 6 - 4 kn kann er heruntergehen.

Die langsamsten Yachten wie Traum, Cirrus, Gymir werden schon zu Mittag auf einen NW-Kurs gezwungen. Der birgt einen Vorteil, da draußen im Nordwesten ist wieder mehr Wind. Doch ist der Weg wahrscheinlich zu lang, um von hinten ins Geschehen eingreifen zu können.

Das Mittelfeld sieht den Wind ab heute Mittag aus 30 bis 50 Grad . Bis in den Abend hinein steht der Wind durch mit 6-10 kn (Bft 3). An der Kreuz ist das in Ordnung. Sehr viel schwieriger wird es heute Nacht in der Jammerbucht: der Wind bricht allmählich ein. Obschon noch ein Rest von 5-7 kn stehen bleiben sollte, der Wind dreht auf 300 - 280 Grad, kommt also zunehmend raumschots oder gar achterlich. Damit ist zu wenig Druck im Segel und der Nervenkrieg hieraus noch eine optimale  Bootsgeschwindigkeit zu generieren beginnt. Auch vor dem Hintergrund, daß es morgen nicht viel besser wird. Mi t Glück erfolgt mit Annäherung an Skagen eine kleine Erholung, bevor bei Nordwind hinter Skagen der Wind aus Nord weht, aber schwach bleibt.  

Montag, 21. Mai 2018:

Es ist bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Umso wichtiger ist eine deutliche Aussprache. Gute Nachrichten soll man genießen. Dieses Mal ließ sich aus dem Vollen schöpfen. Egal ob nach Edingburgh oder Rund Skagen nach Kiel, immer wieder musste ich in den vergangenen Jahren zur Steuermannsbesprechung vor aufziehendem Sturm warnen. Mit allem, was dazugehört: Regen, Kälte, brechende Wellenberge. Dieses Jahr kommt es mal völlig anders: Der Wind weht aus Osten, vergleichsweise geringer Seegang, bei Ebbe wie bei Flut. Ostwind ist für den Monat Mai nichts Ungewöhnliches. Auch wenn sich diese in den vergangenen Jahren zurückgehalten haben. Ostwind im Mai, daß ist typisch. Weniger typisch ist die Varianz. So sollte aus einem verhaltenen ENE-Wind ein auffrischender E-Wind werden. Kaum war der Rauch der Startpistole des zweiten Starts verflogen, da meldet sich genau dieser Wind mit erwartet aufflammender Böigkeit zu Wort. Doch Sturm? Nein, der bleibt sicher außen vor. Nur ein wenig windig wird’s. Schön windig. 15 strichweise auch ‘mal 18 kn (5 Bft) drücken in die Segel. Besagte Böigkeit ist gleich auf die ersten acht Stunden da. 25 bis 28 kn in den Spitzen macht die Wahl der richtigen Segelgarderobe und – kombination nicht gerade einfach, aber lohnenswert.

Von Anfang an zählt jede Meile. Auch gerade weil dieser Wind bereits in der zweiten Nachthälfte zurückgeht. Stunde um Stunde läßt er nach, was zum einen dem großräumigen Windfeld geschuldet ist, zum anderen dem nördlichen Kurs, geradewegs in einen schwächeren Gradientwind. Schon morgen früh mit Sonnenaufgang ist von dem Nachtwind nur noch ein Bruchteil über. Solange dieser Wind da ist und auch noch von der Seite kommt (Einfallswinkel 90°) heißt es nur: Speed, speed, speed. Jeder drückt auf das Gaspedal, hochmotiviert das Maximale aus seinem Schiff herauszuholen. Die Gelegenheit ist nicht nur günstig, sondern in diesem Jahr sehr wahrscheinlich die Einzige mit soviel Wind. Kaum ist Esbjerg querab beginnt der Wind zu brökeln und zwischen 10 und 15 kn (Bft 3 und 4) zu pumpen. Gleichzeitig beginnt die Windrichtung mehr zu pendeln. Immer wieder müssen die Segel nachgestellt und justiert werden. Man könnte meinen, die Zeit höchster Konzentration ist angebrochen. Konzentrieren ja, aber in der Intensität ist noch mehr drin – muß noch mehr gehen. Es ist ab Einfahrt Limfjord erst der Anfang einer Schwachwindphase, der noch eine ganze Menge weiterer folgen.

Meeno Schrader