Erst prüfen, dann ablegen

05. September 2017

Ankommen, auspacken, abfahren – schön, wenn es zu Beginn eines Chartertörns so wäre! Doch vor dem Urlaubsgenuss stehen der eingehende Check des Bootes und die Einweisung der Crew. Warum diese Prozedur mehr ist als lästiges Pflichtprogramm und wie sie möglichst effizient gestaltet werden kann, erklärt Gunnar Brock von Pantaenius. 

Acht Leute, sechs Teller – oftmals offenbart sich erst in der ersten Ankerbucht, dass auf dem Charterboot etwas fehlt oder nicht funktioniert. Wenn es nur Teller und Besteck sind, lässt sich improvisieren. Ist jedoch Größeres zu bemängeln wie zum Beispiel eine nicht funktionierende Anker-Fernbedienung oder Rollanlage, lässt der Erholungsfaktor rapide nach. Niemand hat Lust, in einem überfüllten Hafen stundenlang auf einen Techniker zu warten – zumal der Charterer den ordnungsgemäßen Zustand der Yacht mit Unterzeichnung des Übergabeprotokolls bestätigt hat. 

„Eine sorgfältige Übergabe kann viel Ärger und Warterei ersparen“, bekräftigt Gunnar Brock aus der Rechtsabteilung von Pantaenius. Als begeisterter Segler und langjähriger Charterskipper spricht er aus Erfahrung. „Ich gehe die Inventarliste minuziös durch, öffne jedes Schapp“, so Brock – nicht allein, sondern gemeinsam mit dem Co-Skipper, denn vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei. So eine gründliche Übernahme dauert ihre Zeit, weshalb erfahrene Charterskipper ihre Crew schon zu Hause „vorwarnen“, damit es am Charter-Stützpunkt keine langen Gesichter gibt. „Wenn die Aufgaben gut verteilt werden, zum Beispiel ein Teil der Crew schon einmal Proviant und Gepäck verstaut, während das Übernahme-Team durchs Boot geht, wird die Zeit auch effizient genutzt“, so Gunnar Brock. 

Seeventil und Co.

Auch nach dem Abhaken aller Posten auf Inventarliste und Übergabeprotokoll bleiben die Leinen noch fest. Denn mindestens ebenso wichtig wie die sorgfältige Inspektion der Yacht ist die Einweisung der Crew. „Juristisch ist der Skipper gerade bei unerfahrener Crew dazu verpflichtet, eine Sicherheitseinweisung durchzuführen“, sagt Gunnar Brock. Doch auch abgesehen von jeglicher Verpflichtung sollte es im Interesse jedes Skippers sein, mit kompetenter Mannschaft zu segeln. 

Seeventile, Gashahn, Motor, Funkgerät – vom Bug bis zum Heck werden alle sicherheitsrelevanten Punkte erklärt. Bekanntlich lernt man am besten, was man selbst ausprobiert. Daher sollte jedes Crewmitglied einmal selbst den Motor starten und stoppen, die Ventile in die Stellungen „auf“ und „zu“ bringen und so fort. In der Fachliteratur gibt es hilfreiche Aufstellungen, an denen sich ein Skipper bei der Durchführung des Sicherheitsbriefings orientieren kann. Je erfahrener die Crew (und je häufiger in der Konstellation schon gemeinsam gesegelt wurde), desto kompakter kann die Einweisung natürlich ausfallen, doch eine gründliche Bootsrunde mit ungeübter Crew dauert gut und gerne eineinhalb Stunden. Dazu gehört auch das grobe Festlegen von Notrollen, zum Beispiel bei einem Brand oder im MOB-Fall. 

Das Boot kennenlernen 

Endlich – der Törn kann losgehen! Vor jedem Ablegen steht ein kompakter Sicherheitscheck: Sind alle Ventile zu, die Gashähne dicht, die Luken geschlossen? Im Idealfall fühlt sich ein Crewmitglied als „Sicherheitsoffizier“ für diesen Routinecheck verantwortlich. 

Die erste Zeit nach dem Aufbruch gehört dem Kennenlernen des Bootes: „Dazu gehört das Aufstoppen, das Fahren von Vollkreisen, das Testen der Manövriereigenschaften vor- und rückwärts“, erklärt Gunnar Brock. Auch Groß- und Vorsegel werden testweise ausgerollt beziehungsweise gehisst. 

Oft weggelassen, aber wichtig ist das Üben des MOB-Manövers unter Motor und Segeln mithilfe eines Fenders. Zwar beherrscht die Crew nach dieser „Trockenübung“ das Manöver nicht perfekt – aber jeder weiß grob, worauf es ankommt. 

Mit der richtigen Anzahl von Tellern im Schapp, einer technisch einwandfreien Yacht und einer kompetenten Crew wird der Charterurlaub für alle eine großartige und entspannte Erfahrung. Viel Vergnügen! 

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