Versicherungsschutz im Winterlager

26. September 2017

Bootseigner in Mittel- und Nordeuropa werden Jahr um Jahr mehr oder weniger zwangsläufig mit der Frage nach dem Winterlagerplatz Ihres Schiffes konfrontiert. Häufig fällt die Wahl auf vermeintlich sichere, weil vor der unwirtlichen Witterung geschützte, Lagerhallen, Garagen oder Scheunen. Doch auch hier lauern einige potentielle Gefahren, wie diverse Großbrände in den vergangenen Jahren vom Bodensee bis zu den Nordseeinseln bewiesen haben. 

Vor allem Feuer zählt zu den größten Gefahren an Land. Brände verursachen häufig die sogenannten Kumulschäden, also eine Summe von mehreren einzelnen eingetretenen Schäden, die durch das gleiche Ereignis verursacht werden. „Das zieht in der Regel eine gewaltige Schadensumme nach sich, denn Feuer führt meist zum Totalverlust“, erläutert Gunnar Brock, Jurist bei Pantaenius.   

Eine gute Yacht-Kaskoversicherung ist deshalb unabdingbar. Sie sollte Yachtschäden im Winterlager und auf dem Weg dorthin in voller Höhe der Versicherungssumme abdecken. Für die Nutzer von Lagerhallen besonders wichtig: In den Bedingungen sollten nicht nur Brand oder Feuer als versicherte Schadenursache genannt werden: „Genau genommen würde das nur eine offene Flamme beschreiben. Auch Sengen und Schmoren können jedoch schwere Schäden verursachen“, rät Brock.

Die meisten professionellen Winterlagerbetreiber verfügen zwar über einen eigenen  Haftpflicht-Versicherungsschutz, dieser deckt jedoch ausschließlich Schäden, bei denen ein Verschulden des Winterlagerbetreibers nachgewiesen werden kann. Kleinere Anbieter, die über die Wintermonate beispielsweise ihre leere Scheune als Bootslager zur Verfügung stellen, verzichten häufig gänzlich darauf. Besteht doch ein Haftpflichtschutz, dann kennt man jedoch meist nicht die genauen Bedingungen und die in diesem Rahmen vereinbarten maximalen Deckungssummen. Auch ist nie sicher, ob die anderen Nutzer eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben. Beschädigt ein Eigner ohne Haftpflicht etwa bei Reparaturarbeiten die angrenzenden Schiffe, hat man oft nur geringe Chancen, seinen Schaden vollumfänglich ersetzt zu bekommen.

Nicht zu vergessen die eigene Haftpflichtversicherung. „Egal, ob Segelsaison oder Winterlager: Auch wenn in Deutschland, anders als beispielsweise in Italien, eine Haftpflichtversicherung nicht zwingend erforderlich ist, so handelt jeder Eigner ohne entsprechenden Schutz leichtfertig“, so die Einschätzung von Gunnar Brock. Denn gerade im Winterlager werden viele Schäden an anderen Booten durch eigenes Verschulden verursacht. So können beispielsweise unachtsame Antifouling-Arbeiten am eigenen Unterwasserschiff oder Schweißarbeiten das Teakdeck des Nebenliegers schnell ruinieren.   

Besonders fleißige Bootseigner sollten nicht vergessen, bei Wert steigernden Winterarbeiten, zum Beispiel dem Einbau einer hochwertigen Navigationselektronik, die Versicherungssumme anzupassen. Wer unsicher ist, was die Versicherungssumme beeinflusst, kann in der Regel bei seiner Versicherung nachfragen. Wenn beispielsweise bei einer Yacht das Teakdeck erneuert wird, dann ist das lediglich Werterhaltung. Wird die gleiche Maßnahme an einem gebrauchten Schiff, das bisher kein Teakdeck hatte, vorgenommen, dann wirkt sich das sehr wohl wertsteigernd aus. 

Natürlich lässt sich nicht jedes Schadenrisiko gänzlich ausschließen. Aktive Schadenprävention im Winterlager lässt sich jedoch bereits mit wenig Mühe umsetzen. „Es sollte selbstverständlich sein, dass im Winterlager alles dafür getan wird, um Brände zu vermeiden aber auch nach Ausbruch an der Verbreitung zu hindern.“, erklärt Axel zu Putlitz-Lürmann, Leiter der Schadenabteilung bei Pantaenius Yachtversicherungen. 

Es gilt deshalb zunächst alle potentiellen Brandbeschleuniger vor dem Einwintern von der Yacht zu entfernen. Hierzu zählen neben Gasflaschen oder Spiritus auch Reiniger, Verdünner, Lacke und bestimmte Harze. Viele Betreiber von Winterlagerhallen verbieten die Lagerung von brennbaren Stoffen an Bord ohnehin. Wie und ob diese Regelung im Einzelfall von den Mietern umgesetzt wird, lässt sich jedoch nicht immer auf den ersten Blick erkennen.

Insbesondere für die Bastler unter den Bootseignern lässt es sich zumindest temporär nicht vermeiden, brennbare Stoffe an den Stellplatz zu bringen. Ein ordnungsgemäßer Umgang mit den leicht entzündbaren Helfern ist daher unabdingbar, wie der Schadenexperte berichtet:

„Bei Sprühdosen wird häufig das Treibmittel Flüssiggas (Butan/Propan) verwendet. Das ist zwar umweltfreundlich, aber leider hoch entzündlich. Bei der Anwendung im Schiffsinneren kann sich Flüssiggas sammeln und eine explosive Atmosphäre bilden – dafür reichen manchmal nur wenige Sprühstöße. Ein winziger Funke kann dann bereits eine Verpuffung oder Explosion auslösen. So erging es dem Eigner einer Segelyacht, der seinen verölten Motor mit Bremsenreiniger säubern wollte als ihm plötzlich eine Stichflamme entgegen schoss.“  

Auch wer schon einmal Zwei-Komponenten-Harze angerührt hat, weiß, dass diese Masse eine ordentliche Wärme entwickeln kann. „Bei einem falschen Mischungsverhältnis kann das Material so heiß werden, dass am Bootsrumpf Hitzeschäden entstehen“, sagt Axel zu Putlitz-Lürmann. Daher gilt: Mischungsverhältnis genau beachten und einhalten. Doch auch nach Ende der Arbeiten dürfen Spachtel- und Harzreste nicht an der „Baustelle“ des eingewinterten Bootes verbleiben, da sie eine potenzielle Brandgefahr darstellen. Insbesondere Reste von Zweikomponentenlacken und Harzen können miteinander reagieren und zu Brandquellen werden. Gleiches gilt für Lack- und Verdünnerreste.

Ein Mittel, um das kaum ein Eigner im Winter herumkommt, ist Aceton. Das Lösungsmittel verdunstet rasend schnell und bildet dabei leicht entzündliche Dampf-Luft-Gemische. Werden mit Aceton getränkte Putzlappen in einen geschlossenen Behälter gegeben, so kann dieses Gemisch nicht entweichen; ein Funken reicht dann, um einen Brand auszulösen. Daher sollten Lappen mit Aceton und anderen Lösungsmitteln immer gut auslüften, bevor sie verstaut oder entsorgt werden. 

Die vorangegangenen Schilderungen machen deutlich: Entflammbare Flüssigkeiten, nicht umsonst auch Brandbeschleuniger genannt, dürfen nicht im Schiff oder sonst irgendwo in der Halle gelagert werden. Wo aber lagert man diese Stoffe sowie die nötigen Materialien für die Winterarbeit richtig? „Kühl, trocken, gut belüftet, vor Sonnenlicht und unerlaubtem Zutritt geschützt“, fasst Pantaenius-Experte Axel zu Putlitz-Lürmann zusammen. Ideal sei eine gut belüftete Garage: „Eigner können sich hier auch gut zusammentun und selbst organisieren. In vereinsbetriebenen Hallen beispielsweise, könnten die Nutzer einen Raum einrichten, der diese Voraussetzungen erfüllt. So haben alle ein zentrales Materiallager und schützen ihre Yachten und Jollen vor Brandschäden.“

Tipps für den Brandschutz im Winterlager

  • Augen auf bei der Wahl des Winterlagers: Ein verantwortungsvoller Betreiber sorgt dafür, dass in den Hallen sicher gearbeitet wird und dort keine brennbaren Stoffe gelagert werden. 
  • Planen Sie beim Einkauf der benötigten Materialien genau: Wie viel brauchen Sie wirklich? Gibt es Gebindegrößen, die Sie restlos aufbrauchen und dadurch die Brandgefahr durch ausgasende Reste umgehen können? 
  • Verwenden Sie mit Flüssiggas betriebene Sprühdosen nach Möglichkeit im Freien. In der Halle selbst muss eine ausreichende Be- und Entlüftung sichergestellt werden.
  • Betätigen Sie bei und direkt nach der Anwendung keine Lichtschalter oder elektrischen Anschlüsse. Beseitigen Sie Zündquellen und vermeiden Sie Funken.
  • Eine Alternative zu Flüssiggas-Sprühdosen sind Produkte, die als Treibmittel das umweltfreundliche und nicht entzündliche CO2 verwenden. 
  • Entsorgen Sie Reste von Farben und Klebern jedweder Art nach getaner Arbeit oder nehmen Sie sie zur Aufbewahrung an einem dafür geeigneten Ort mit. Sie haben weder im Boot nach auf dem Lagerbock etwas verloren!